Das Wechselmodell kann nur in Sorgerechtsverfahren beantragt werden

Oft wollen Väter nach Trennung/Scheidung ihre Kinder zur Hälfte der Zeit sehen. Immer wieder fragen Väter, ob es möglich sei, ein Wechselmodell zu praktizieren.

Gerichte können das Wechselmodell – insbesondere gegen den Willen der Mutter – nicht anordnen. Jedenfalls nicht im Rahmen einer Umgangsregelung, sondern nur nur in Sorgerechtsverfahren – siehe Beschluss des BVerfG vom 24. Juni 2015, Aktenzeichen: 1 BvR 486/14. Hier findet das Urteil des Bundesverfassungsgerichts mit Erläuterungen.

Kurz zur Begründung: Wird das paritätische Wohnmodell (= Wechselmodell) abgelehnt, stellt dies keinen Verstoß gegen Art. 6 Abs.2 GG (Gleichstellungsprinzip) dar. Somit behält sich der Staat nach wie vor das Recht vor, bei strittigen Elternteilen in die Rechte und Plichten der Beteiligten einzugreifen, und zwar je strittiger umso mehr.

Wenn also ein OLG die paritätische Betreuung des Kindes, also das Wechselmodell, ablehnt, ist dieses Urteil verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, und es hilft auch nicht, in diesem Zusammenhang auf Art. 18 Abs. 1 der UN-Kinderrechtskonvention zu verweisen.
Zugrunde liegt die Auffassung, dass hierzulande das Residenzmodell der Norm entspricht. Ein 50-prozentiger Umgang wäre aber eine Änderung des dauerhaften Aufenthaltsortes des Kindes und würde zu einer Doppelresidenz führen.

Wie lässt sich das Wechselmodell realisieren?

Es bieten sich folgende drei Möglichkeiten:

  • Die einfachste Regelung wäre, wenn sich die beiden Eltern einvernehmlich auf das gemeinsame Sorgerecht und Aufenthaltsbestimmungsrecht einigen und beides gemeinsam praktizieren.
  • Wenn nur ein Elternteil das Wechselmodell haben möchte, beantragt er das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht mit der Vorgabe, dass er das Wechselmodell durchführen will und wird.
  • Das Aufenthaltsbestimmungsrecht als Teil des Sorgerechts wird ganz auf das Jugendamt übertragen, ebenfalls mit der Maßgabe, ein Wechselmodell durchzuführen.

Bei den Lösungen B und C ist zu beachten, dass man auf den guten Willen eines Richters oder Jugendamtmitarbeiters angewiesen ist!