Kinderarmut in Deutschland – Folge von unausgewogener Familienpolitik

Die Betroffen sind in erster Linie Kinder, welche die Trennung der Eltern zu verkraften haben. Sie gelten als arm, weil sie in alleinerziehenden Haushalten leben. Sie beziehen weniger als 60% des mittleren Einkommens. Das sind 38 Prozent oder in Zahlen 874.000 Kinder. Zum Vergleich: In Paarhaushalten leben nur sieben Prozent Kinder in Armut.

Nach einem Bericht der „Welt” (vom 7.5.2016, S.5) erhalten Scheidungs-/Trennungs-Kinder zur Hälfte vom getrennt lebenden Elternteil keinen Unterhalt. Und offenbar ist der Unterhaltsvorschuss von Seiten des Sozialamtes zu gering. Auch reicht das Einkommen von Alleinerziehenden nicht aus, um die „Rumpffamilie” angemessen über die Runden zu bringen.

Es wäre aber ein Trugschluss, das Armutsrisiko allein einem zahlungsunwilligen Vater anzulasten. Die Statistik gibt keinerlei Gründe an, und die können recht vielschichtig sein. Zum einen leben „Zahlungsväter” selber in prekären Verhältnissen und sind damit schlicht nicht zahlungsfähig oder – was auch passieren kann – sind bereits verstorben. Zum anderen kann es sein, dass sie bereits für den Umgang (z. B. bei einem Wechselmodell) so hohe Kosten haben, dass sie weder zahlungsverpflichtet noch zahlungsfähig sind.

Die grundsätzliche Frage ist: Wie kann es sein, dass in Deutschland so viel wie nirgends für Familien ausgegeben wird, diese Ausgaben aber bei einem Großteil der (Trennungs-)Kinder nicht ankommen? Die Antwort liegt auf der Hand: Diese Kinder fallen, ebenso wie die Trennungsväter, aus dem traditionellen Familienbild heraus. Da stimmt also etwas mit dem herkömmlichen Begriff von Familie nicht. Dieser müsste neu definiert werden. Und schließlich sollten alle Kinder, unabhängig vom Wohnmodell, finanziert werden, wie es z.B. in Frankreich passiert…