Erfolgsmodelle für den Trennungsfall

Was ursprünglich nur für eine Kleinstadt (Cochem) funktionieren sollte, ist heute zunehmend Standard in Sachen Trennung oder Scheidung: ein zügiges Gerichtsverfahren zum Wohle des Kindes und die Pflicht der Eltern zur Kooperation. Keine Gewinner und kein Verlierer mehr.

Arrangieren sich die ehemaligen Partner, ist das ein Zeichen, dass sie gelernt haben, mit Verletzungen umzugehen. Wenn aber nicht, werden sie oft zu „hochkonfliktiven Trennungspaaren“, wie das im Juristendeutsch heißt. Und in 10 bis 20 Prozent aller Fälle bekriegen sich Eltern in der Trennungsphase. 

Konflikt-Coaching als gängige Rechtspraxis

Für die Gerichte zählt dabei immer weniger, wer jetzt schuld ist oder wer welches „Vergehen“ begangen hat. Denn viele Aussagen sind ziemlich subjektiv und nicht nachprüfbar. Die Richter konzentrieren sich vielmehr darauf, eine praktikable Lösung zu finden, in der Platz für den Umgang der Kinder mit beiden Eltern ist. Zwar geht der Trend weg von der reinen „Mütterzentriertheit“, doch sind immer noch große Unterschiede in der Rechtssprechung anzutreffen. Idealerweise werden Familienrichter zu Pädagogen, welchen die Aufgabe zukommt, aus hassvoll ineinander verkrallten Paaren wieder funktionierende Eltern zu machen. Nicht selten sind bis zu einem Dutzend andere gleich mitbeschäftigt: Sozialarbeiter, Verfahrenspfleger, Mediatoren, Kinderpsychologen und Familientherapeuten.

Das Ziel ist eindeutig: 

Eltern dürfen aus der gemeinsamen Fürsorge nicht entlassen werden. Auch für die beteiligten Anwälte ist es eine Herausforderung, sich nicht einfach den Interessen des Mandanten unterzuordnen, sondern auf’s Ganze – sprich auf’s Kindeswohl – zu schauen.

Anfangs traf man auf große Skepsis, was den Erfolg dieses Vorgehens betrifft, sprechen doch Juristen eine ganz andere Sprache als Sozialarbeiter. Während es den einen eher um knappe Formulierungen geht, um Sachverhalte darzustellen, beschäftigen sich die anderen mit allerlei Befindlichkeiten. Mittlerweile jedoch kooperieren die verschiedenen Disziplinen in einigen Großstädten. In Berlin z.B. hat jeder Stadtbezirk einen eigenen Arbeitskreis, in dem man sich regelmäßig trifft und Problemfälle erörtert.
Danach können Eltern zum Kurs „Kinder im Blick“ geschickt werden, der an einer Münchner Universität nach amerikanischem Vorbild entwickelt wurde. Hier treffen Mütter auf Väter (wobei Trennungspaare getrennt werden) und lernen im Zusammenspiel von Anti-Aggressionstraining, Verhaltenstherapie und Elternschule, gegenüber der/m Ex sachlich zu bleiben und das Kind nicht als Kampfobjekt zu missbrauchen.

Der Erfolg lässt sich in Zahlen darstellen: Bereits 60% aller Scheidungskinder haben Kontakt zu beiden Eltern, Tendenz steigend!
Der Kontakt tut gut, denn Kinder erleben Trennung erst einmal bedrohlich, da gewissermaßen nur noch die Hälfte der Eltern da zu sein scheint und Angst vor dem Alleingelassenwerden mächtig an Fahrt gewinnt!

Streitende Eltern verstärken das Trennungstrauma. Sabine Walper, Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut in München, bestätigt andererseits (Die Zeit, 24.4.2014, S. 33), dass die Entwicklung von „Trennungskindern“ im Vergleich zu Kindern aus intakten Familien langfristig keine Unterschiede zeigt; sie haben weder mehr Verhaltensauffälligkeiten, noch mehr Krankheiten, noch mehr Minderwertigkeitskomplexe. Anders allerdings, wenn sich Eltern permanent streiten! Am schlimmsten ist, wenn sie auseinander gehen und noch streiten. Häufiger Streit geht den Kindern also an die Nieren.

Als Erwachsene trennen sich Scheidungs-/Trennungskinder signifikant häufiger von ihren Partnern als „Familienkinder“. Das ist der einzige Unterschied.

So gesehen sollte es zum Normfall werden, streitende Eltern notfalls mit Zwang, z. B. durch gerichtliche Anordnung, zur Kooperation zu bewegen und damit das Kindeswohl sicher zu stellen!